[Lug] Google, GMX, Web.de und Konsorten. Datenschutz?
chl at iupr.net
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Di Nov 21 20:43:57 CET 2006
Hallo Sascha und Liste,
Sasche schrieb:
> Aber da Du ja erfreulicherweise dort arbeitest, können wir ja hier einfach
> die Quelle befragen ;-) Das spart unötige Spekulationen.
> [...]
> Vielleicht kannst Du meine Fragen beantworten und vielleicht auch meine
> Befürchtungen zerstreuen. Es würde mich freuen, wenn Du darauf eingehen
> könntest.
Kann ich leider nicht, abgesehen davon, dass Google sehr strikt
zwischen oeffentlicher Information (Webseiten, Anzeigen,...)
und privaten Userdaten (z.B. Gmail) trennt, auch physikalisch.
Google verschickt auch keine Werbeemails oder gar Spam oder
aehnliches an dritte sondern praesentiert beim Surfen oder
Mail-Lesen Anzeigen im Browserfenster (getrennt vom eigentlichen
Inhalt). Tatsache ist aber natuerlich z.B. auch, dass die Gesetzen
in den USA es den US-Geheimdienste deutlich leichter machen, an
Daten kommen koennen, die auf Firmenrechnern gespeichert sind,
als dies z.B. in Deutschland der Fall ist.
Ich kann keine Interna verraten. Google ist nach innen zu seinen
Mitarbeitern und Praktikanten recht offen, was Informationen angeht,
aber die Kommunikation nach aussen ist so gut wie Null. Ich bin da
nicht gluecklich drueber, aber bin verpflichtet, mich dran zu
halten. Sorry.
Ich kann deshalb nur Allgemeinwissen kommentieren, das schon irgendwo
online ist. Die Google-Gruender haben der Firma eine Philosophie
verpasst, und mein Eindruck nach 2 Monaten ist, dass das nicht nur
PR ist, sondern wirklich so:
http://www.google.com/corporate/tenthings.html
Am wichtigsten ist, den User gluecklich zu machen (#1). Was einen
User gluecklick macht, ist natuerlich interpretierbar, aber ihn
auszuspionieren und mit Viagra zu bewerfen, wuerde wohl kaum dazu
zaehlen. Zumindest im Moment hat Google es auch nicht noetig (#6),
Daten zu verkaufen, mal abgesehen davon, dass es hochillegal waere.
Man weiss natuerlich nicht, was die Zukunft bringt, aber Daten die
heute erhoben werden, fallen unter die Bestimmungen von heute, nicht
die von morgen. Viele andere Firmen sehe ich da viel eher als ein
Problem, seien sie deutsch oder amerikanisch.
Meines Wissens beobachten die Leute vom BigBrother-Award Google
durchaus kritisch, haben Google aber noch nie nominiert.
Wie schon festgestellt, bin ich nicht total objektiv, das habe ich nie
behauptet. Ich bin aber nicht dauerhaft bei Google angestellt und plane
nicht, hier dauerhaft zu arbeiten. Ich haette keinen Vorteil davon,
Euch anzuluegen.
Auch ich finde nicht alles toll, was Google tut und wie. Nur beim Thema
"Datenschutz" und "Fernsehbeitrag" hatte ich den Drang, meinen ich Senf
dazugeben zu muessen. Kennt Ihr das Problem, dass wenn man von einer Sache
etwas versteht, und man dann in Zeitung oder Fernsehen einen Bericht dazu
sieht, dass dort meist nur Bloedsinn behauptet wird? Ich frage
mich dann immer, ob das bei Themen, von denen ich nichts verstehe,
auch so ist, das waere bitter...
Ansonsten faellt mir noch ein: Es gab schon recht viel Diskussion ueber
GMail und Datenschutz, vor allem nachdem es neu eingefuehrt wurde, z.B.
http://www.templetons.com/brad/gmail.html (das war der erste Google Hit).
Der Fernsehbeitrag, den Ihr benennt, ist urspruenglich vom NDR und
mittlerweile 6 Monate alt. Er ist entstanden als die China-Zensur-Debatte
gross war (anderes Thema) und Google-bashing der neueste Sport. Ich hab
ihn selbst nicht gesehen, aber "objektiv" klang die Beschreibung auch
nicht. An Ende muss wahrscheinlich jeder selbst entscheiden, welches
seine Lieblingsverschwoerungstheorie ist. ;-)
Gruss,
Christoph
P.S. Falls Ihr Euch selbst einen Eindruck machen wollt: Google sucht
jederzeit Leute (hautpsaechliche Studenten), die gut C++ programmieren
koennen, fuer gut bezahlte Praktika. Schickt mir einfach eine PM.